Dekabristenplatz mit Senat und Synod

File 174Der Platz befindet sich direkt im Zentrum der Stadt, links von der Admiralität am Ufer der Newa. Gesäumt von Senat und Synod, der Isaakskathedrale, der Newa, dem ehernen Reiter und der Admiralität entfaltet sich hier das politisch-historische Zentrum Petersburgs .
Senat und Synod sind symbolisch durch Architektur vereinte Macht von Staat und Kirche. Peter der Große löste das Moskauer Patriarchat auf und führte den Synod ein, die russisch-orthodoxe Kirchenführung, die 1917 aufgelöst wurde.
File 270Der Senat, also die politische Führung, befand sich ebenfalls im Gebäude. Die Skulptur „Gerechtigkeit und Frömmigkeit“ über dem Torbogen symbolisiert die Einheit von Weltlichem und der Kirche. Indirekt kann sie auch als Entmachtung der Kirche verstanden werden, das diese nun entmachtet und mit dem Staat gleichgeschaltet wurde.
Carlo Rossi, einer der Lieblingsarchitekten Peters, entwarf und erbaute in nur fünf Jahren mit Senat und Synod seinen letzten Gebäudekomplex. Besonders hervorstechend sind die jeweils acht korinthischen Säulen, die das gelb-weißen Gebäude zieren.
Seit 2008 befindet sich hier das Russische Verfassungsgericht. Außerdem wurde hier im Mai 2009 von Dimitrij Medwedjew die Präsidentenbibliothek Boris Jelzin eröffnet.
Historisch besonders bedeutend ist der Dekabristenplatz. Er erinnert an den Aufstand der Dekabristen von 1825. Die Zaren, die die absolute Macht innehatten, hatten sich immer wieder vor Revolten und Aufständischen zu fürchten, die, wie zum Beispiel Alexander Radischtschew, die Aufhebung der Leibeigenschaft forderten. Katharina die II. ließ Radischtschew (der auch die Dekabristen beeinflusst hat) nach seinen radikalen Forderungen verhaften und zum Tode verurteilen. Die Todesstrafe wurde von Paul I. wieder aufgehoben.
Es folgte der Große Vaterländische Krieg gegen Napoleon. Nach der Schlacht um Moskau verfolgten die russischen Truppen unter Alexander I. Napoleon bis nach Paris, das 1814 von den Alliierten eingenommen wurde. Die russischen Soldaten lernten in Paris das freie Leben kennen und lieben, und nahmen die Gedanken der Aufklärung und den Glauben an den Menschen als ein sich selbstbestimmendes Individuum, mit nach Russland. Es überrascht also nicht zu hören, dass die Dekabristen größten Teils Soldaten aus dem Heer Alexanders waren. Am 14. Dezember 1825 versammelten sich 3000 Anhänger auf dem Senatsplatz, dem heutigen Dekabristenplatz, und protestierten nach dem Tod Alexanders gegen die Inthronisierung des neuen Zaren. Der Nachfolger Nikolaus I. hatte jedoch durch Spitzel von dem Putsch erfahren und war gut vorbereitet: er ließ innerhalb von Stunden die Revolte niederschlagen. Es gab unzählige Tote. Die Anführer wurden gehängt.