Blockade Museum

File 171Das Blockade-Museum über die Geschichte der 900-tägigen Belagerung Leningrads während des Zweiten Weltkriegs durch die deutsche Wehrmacht sollte zu jedem Stadtbesuch gehören. Diese 900 Tage (vom 8. September 1941 - 17. Januar 1944) haben die Stadt und ihre Menschen tief geprägt. Der Besuch bewegt einen sehr und ist für das historische Verständnis der Stadt eigentlich unerlässlich.
Die Belagerung der Stadt spielte in Bezug auf die Entscheidung des Krieges nur eine Nebenrolle. Vielmehr ging es den Nazis dabei um einen klar geplanten Vernichtungsfeldzug in dessen Zentrum die „Dezimierung“ der slavischen Zivilbevölkerung stand. Die deutsche Wehrmacht kesselte die Stadt ein und versuchte die Bevölkerung auszuhungern. Gezielt wurden Lebensmittellager und Versorgungspunkte bombardiert, bis kaum noch Nahrung für die drei Millionen Einwohner übrig war. Trotz der provisorischen Versorgungsstraße über den Ladogasee, der „Straße des Lebens“, musste schon im September die Nahrung rationiert werden. Der Hunger kam. Jeder erhielt täglich gerade 200 Gramm Brot. Später wurde nur noch "Brot-Ähnliches" verteilt. Lebensmittelmarken entschieden über Leben und Tod und wurden unbezahlbar. Bald gab es in der Stadt kein einziges Tier mehr. Gegessen wurde alles was irgendwie organisch war, Holz, Erde, Papier - einfach alles. Es kam zu Plünderungen und Kannibalismus.
Allein im Januar 1942 starben mehr als 96.000 Menschen in Leningrad. Insgesamt kamen eine Million Menschen zu Tode.
Der stalinistische Terror fand unterdessen trotzdem keine Ende. Zuerst wurden Industrien, die für die Kriegsführung unabdinglich waren, ausgelagert und wichtige Persönlichkeiten evakuiert. Dann ließ der Staat  die Zivilbevölkerung im Stich. Weiterhin wurden Menschen denunziert, verraten, verurteilt oder umgebracht. Der Durchhaltewillen der Leningrader wurde für Propagandazwecke ausgeschlachtet, um die restliche russische Bevölkerung zum Krieg zu animieren. Ein Mythos war geboren.
Im Museum ist alles untergebracht, was mit den Tagen der Belagerung zu tun hat, bzw. was die belagerte Erde „hergegeben“ hat. So sind angeblich sogar heute noch ganze Panzer in Petersburg begraben.
Neben einer Vielzahl von Kriegsgut, finden sich im Museum vor allem auch Gegenstände die den „Alltag“ der Belagerung dokumentieren. „Unbezahlbare“ Lebensmittelmarken, Briefe an Familienangehörige und unglaubliche Fotos veranschaulichen das Leben und das Leid der Belagerten.

Wer sich intensiver mit dem Thema beschäftigen will, hier zwei Buchempfehlungen:
- David Benioff „Die Stadt der Diebe“ (Roman)
- Jörg Ganzenmüller „Die Belagerung Leningrad" (Sachbuch)

Russischer Name: музей обороны и блокады Ленинграда (sprich: muzej oborony i blokady Leningrada)
Adresse: Соляной пер., 9 / Soljanoj Pereleuk